Zitate · 2013 · Vint Cerf

Ist Privatsphäre nur eine historische Ausnahme?

Vint Cerf // Google

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Kennen Sie Vint Cerf?

Vielleicht nicht.

Google bezeichnete ihn damals als seinen Chief Internet Evangelist.

Noch interessanter:

Cerf gehört zu den Menschen, die maßgeblich an den technischen Grundlagen des Internets beteiligt waren.

2013 sprach er bei einem Workshop der US-Handelsbehörde FTC über das Internet der Dinge.

Dabei sagte er:

“Privacy may actually be an anomaly.”

Privatsphäre könnte möglicherweise sogar eine historische Ausnahme sein.

Moment mal.

Cerf behauptete nicht einfach, Privatsphäre sei überflüssig.

Sein Gedankengang war historisch.

Früher lebten viele Menschen in kleinen Gemeinschaften.

Jeder kannte jeden.

Nachbarn wussten, wer mit wem sprach.

Erst große Städte hätten eine Form von Anonymität geschaffen, die wir heute teilweise mit Privatsphäre verbinden.

Das ist ein interessanter Gedanke.

Aber etwas fehlt.

Das Dorf hatte keine Datenbank

Im Dorf wusste der Nachbar vielleicht, wann Sie nach Hause kamen.

Aber er speicherte diese Information nicht automatisch für zwanzig Jahre.

Er verknüpfte sie nicht mit:

Ihren Einkäufen.
Ihren Suchanfragen.
Ihren Kontakten.
Ihren Bewegungen.
Ihren Geräten.

Genau darin liegt der Unterschied.

Wissen und systematische Datenerfassung sind nicht dasselbe.

NoData // Souveränitätscheck

Vielleicht war vollständige Anonymität tatsächlich eine historische Besonderheit.

Aber die heutige Situation ist ebenfalls historisch außergewöhnlich.

Noch nie konnten so viele Informationen über so viele Menschen gleichzeitig gespeichert, durchsucht, kopiert und automatisiert ausgewertet werden.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Hatten unsere Vorfahren Privatsphäre?“

Sondern:

„Welche Privatsphäre benötigen Menschen in einer Welt nahezu unbegrenzter Datenspeicherung?“

Quellen

NoData.ForSale